Unser Kloster

O Seele, Geschöpf und nobles Abbild, wage das Abenteuer!” Hadewijch, niederländische Mystikerin des 13. Jahrhunderts

Unser deutsch-bolivianisches Zisterzienserinnenkloster Ave Maria wurde von der Abtei Seligenthal aus Landshut in Bayern im Jahr 1972 gegründet und ist seit 2006 ein unabhängiges Konventualpriorat sui iuris. Wir sind keine rein kontemplative Nonnengemeinschaft wie es unserer Ordenstradition entsprechen würde. Unsere Gemeinschaft hatte von Anbeginn eine Schule und damit die Erziehung und Bildung der Jugend als Apostolatsaufgabe. Etwas später kam noch die ökologische Landwirtschaft hinzu. Die Balance zwischen dem kontemplativen Leben und dem in der Welt und für die Welt aktiven Leben ist eine immer neue Herausforderung für uns. Wir leben inmitten von Kindern und Jugendlichen, wir kommen aus zwei sehr unterschiedlichen Kulturen, wir haben viel Besuch und junge Freiwillige, wir wechseln zwischen Stadt und Land und müssen uns in einem schul- und kirchenpolitisch schwierigen Umfeld behaupten. All das verhindert, dass bei uns jemals Langeweile aufkommt. Was ist das besondere Charisma unseres Klosters? Menschen, die uns kennen, sagen, wir seien Kämpferinnen und Pionierinnen.

Benediktus-Regel

„Befolge mit der Hilfe Christi zunächst diese bescheidene Regel, die wir für Anfänger geschrieben haben.“ (RB 73,8)

Benedikt von Nursia wurde um 480 n. Chr. in Nursia geboren. Er schrieb um 540 eine Regel für seine Mönche, die nach seiner Auffassung nur Anfängern im Kloster dienen kann. Diese Regel ist für Mönche und Nonnen benediktinischer Tradition, zu denen auch wir Zisterzienserinnen gehören, nach der Bibel das wichtigste Buch, an dem wir unser Zusammenleben orientieren. Sie hat sich 1500 Jahre bewährt, doch nicht alles, was von einem Kirchenvater der römischen Spätantike für seine männlichen Zeitgenossen geschrieben wurde, kann bis heute wortwörtlich umgesetzt werden. Stockschläge zum Beispiel gelten nicht mehr als probates Mittel, um Einsicht oder Unterordnung im Kloster zu erreichen. Wir fragen uns also: Wie können wir eine Weisung der Regel heute für unser Nonnenleben im 21. Jahrhundert verstehen?Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn gründen. Bei dieser Gründung ist es unsere Absicht, nichts Hartes, nichts Schweres anzuordnen.“ (RB Prolog 45-46) Nach der Auffassung des hl. Benedikt leben wir im Kloster wie in einer Schule, in der wir unser ganzes Leben lang lernen, Fortschritte machen in unserem religiösen Leben, stolpern, hinfallen, uns aufrappeln und weitergehen. Es soll nichts gesucht Hartes und Schweres geben, das uns extra auferlegt wird. Unser Nonnenleben mit Christus darf also kein trauriges oder düsteres Dasein sein, geprägt vom Opfergedanken. So schmal, steil und steinig unser Klosterweg bisweilen sein mag, er soll uns immer wieder in die Weite und in die Freude führen. Benedikt behandelt in seiner Regel sehr ausführlich, wie das Chorgebet gefeiert werden soll. Er versucht, die Psalmen nach ihren Inhalten auf die einzelnen Horen zu verteilen, erwartet aber nicht, dass alle seinen Ideen folgen müssen. “Wir machen ausdrücklich auf folgendes aufmerksam: Wenn jemand diese Verteilung nicht annehmen will, dann soll er nach besserer Einsicht eine andere Reihenfolge aufstellen.” (RB 18,22) Weitere Themen der Regel sind Gehorsam, Schweigen, Demut, monastische Tugenden und die Aufgaben des Abts. Er soll sich um die kranken und schwachen Brüder kümmern und zu helfen versuchen, wenn ein Bruder unzufrieden ist, auf dass niemand im Kloster “murrt”. Unzufriedenheit ist nach dem hl. Benedikt eine Gefahr für das geistliche Leben. Ein Mönch, der sich z.B. mit seiner Arbeit überfordert fühlt, möge sich an seinen Abt wenden und um eine andere Arbeit bitten oder um Unterstützung durch einen Mitbruder (RB 68). Eine Oberin sollte sich also darum bemühen, jede Mitschwester gemäß ihren Talenten und Fähigkeiten einzusetzen. Benedikt bittet darum, dass alle Mönche in allem der Weisung der Regel folgen und niemand leichtfertig von ihr abweiche möge (RB 3,7). Seine Anweisungen haben den Frieden in der Gemeinschaft zum Ziel, zum Beispiel in der Aufforderung, sich gegenseitig zu gehorchen und nicht den eigenen Vorteil zu suchen oder die leiblichen und charakterlichen Schwächen in großer Geduld aneinander zu ertragen (RB 71,1 und 72, 5-7). Das Leben in klösterlicher Gemeinschaft unter einer Regel und einer Oberin macht uns zu Nonnen und unterscheidet unsere Lebensform von anderen. Ihr strikter Rahmen ermöglicht uns die Konzentration auf das für uns Wesentliche: Gott zu suchen und dem Leben auf Erden zu dienen.

Zisterzienser-Orden

Der Zisterzienserorden entstand als Reformzweig des Benediktinerordens im 12. Jahrhundert. Als Gründunngsväter gelten Robert von Molesme († 1111), Alberich († 1109) und Stephan Harding († 1134). Diese drei Mönche wollten zur strengen Einhaltung der Benediktus-Regel zurückkehren. Sie gründeten ein Kloster in Citeaux. Dieses Kloster und der neue Lebensstil gewannen jedoch erst an Bedeutung durch den Eintritt von Bernhard von Clairvaux. Nach einer Überlieferung sollen mit ihm 30 Männer eingetreten sein, darunter seine erwachsenen Brüder und Verwandte, die er von seinem Schritt, ein Ordensleben in Citeaux führen zu wollen, überzeugt hatte. Von Citeaux aus wurden im 12. Jahrhundert in ganz Europa über 500 Zisterzienser- und Zisterzienserinnenklöster gegründet, deren architektonischer Stil Schlichtheit und Schönheit auf außergewöhnliche Weise verband. Ein weiblicher Zweig, der mit Citeaux in Verbindung war, entstand wahrscheinlich bereits 1113. Der Orden brachte im 12. und 13. Jahrhundert außer Bernhard weitere berühmte Theologen sowie bedeutende Mystiker und Mystikerinnen hervor, darunter Aelred von Rielvaux, Wilhelm von St. Thierry, Gertrud von Helfta und Mechthild von Magdeburg. Gegenüber den Vertretern einer rational-wissenschaftlichen, scholastischen Theologie, wie sie ab dem 12. Jahrhundert mit der Aristoteles-Rezeption einsetzte, bestanden die Zisterzienser auf einer an den Kirchenvätern orientierten monastischen Theologie und auf der unverzichtbaren Bedeutung der Gefühle für das religiöse Leben. Heute gibt es weltweit etwa 2600 Zisterzienser und Zisterzienserinnen auf vier Kontinenten.

Aufgaben – 6 Portraits

Sr. Maria Christine ist unsere Priorin und Direktorin unserer Schule, des Colegio Ave Maria. Als erste Freiwillige lernte sie das Colegio bereits in seinen Anfängen 1972 kennen. Als bayerische Gymnasiallehrerin und Nonne kehrte sie zurück und unterrichtete Deutsch, Religion und Sport. Zusammen mit Sr. Maria Immolata († 2010) und Sr. Maria Cornelia († 2014) hat sie unsere Schule zu dem gemacht, was sie heute ist: nach Meinung der Deutschen Botschaft eine der besten Schulen Boliviens.

Sr. Cristina Maria ist unsere Subpriorin. Sie managt unsere Hauswirtschaft, kocht für uns und kümmert sich um die Gemüse- und Obstproduktion in unserer Landwirtschaft.

Sr. Maria Josefa hat früher Handarbeiten und Backen unterrichtet, außerdem war sie die Chefin des Service-Personals und der Schulkioske. Heute schenkt sie uns durch ihre Gelassenheit und ihr Gebet einen sehr notwendigen Ruhepol im Gemeinschaftsleben.

Sr. Maria Asunta ist unsere Sakristanin und Direktorin des Mädcheninternats und des Tagesschulheims. Sie unterrichtet Religion in der Schule von Uypaca, dem Dorf, zu dem unser Hof in Achocalla gehört.

Sr. Maria Johanna ist stellvertretende Direktorin des Colegio, leitet unsere Andine Agroforstwirtschaft in Achocalla, schreibt und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Sie hütet die Bäume und Blumen unseres Klosters.

Sr. Maria Fatima ist Gästeschwester, studiert Betriebswirtschaftlehre, leitet das Service-Personal und organisiert unseren Schulbuchverkauf.

Freunde und Spender

Viele Freunde und Spenderinnen, aber auch unsere Familien unterstützen und begleiten unsere kleine Gemeinschaft, sei es in Deutschland, in Bolivien oder anderen Ländern der Welt. Dank ihnen ist es uns möglich unsere Apostolatsaufgabe zu erfüllen und besondere Ausgaben für den Konvent zu bestreiten, für die unsere bolivianischen Gehälter, die wir als Schul- und Internatsleiterinnen oder Verwalterinnen verdienen, nicht ausreichen: zum Beispiel eine häusliche Krankenpflege eine Operation in einer Privatklinik oder die Renovierung und Aufstockung der Konventwohnung im Jahr 2007-2009. In Deutschland sind es Schüler und Schülerinnen, die ihren Altersgenossen in Bolivien eine Chance einer besseren Schulausbildung geben wollen. Durch Kuchenverkauf, Marathon, Musikdarbietungen, Weihnachtsbazare und andere Initiativen sammeln sie dafür Geld. Auch befreundete Pfarrgemeinden und ihre Sternsinger denken jedes Jahr an unsere Kinder und Jugendlichen, die dank relativ niedriger Schulgebühren und Stipendien bei uns eine gute Bildung erhalten. Wir sind ihnen und auch einigen Klöstern unseres Ordens und anderen Ordensgemeinschaften sehr dankbar, die uns trotz eigener Sorgen nicht vergessen. Gäste, die uns ermutigen, unsere Familien, Freunde und Freundinnen, die uns in Deutschland oder auch hier mit Rat und Tat unentgeldlich unterstützen, unsere jungen Freiwilligen, die ein soziales Jahr bei uns machen – sie alle bereichern unser Leben und geben uns Kraft und Mut, unseren Weg auch unter bisweilen widrigen Umständen weiterzugehen. Besonderen Dank schulden wir unserem Gründungskloster, der Abtei Seligenthal in Landshut, das die Treuhänderschaft für unsere Spenden aus Deutschland übernommen und Sr. Maria Rita Bodmeier freigestellt hat, unser Bolivienbüro zu leiten. Zusammen mit Frau Marlene Krieg pflegt Sr. M. Rita den Kontakt zu unseren Spendern und besucht seit Jahrzehnten Schulen und Gemeinden, um über unsere Arbeit in Bolivien zu berichten. Herzlichen Dank, Sr. M. Rita und Frau Krieg! www.colegio-avemaria.de

Unser Spendenkonto finden Sie unter Kontakt.